Helgoland,
01
November
2017
|
11:24
Europe/Amsterdam

Offshore-Windpark Nordsee Ost:

Wartungskampagnen auf hoher See erfolgreich abgeschlossen

Zusammenfassung

> Rotorblätter erstmals mit einer Drohne inspiziert
> Tauchroboter überprüft Fundamente
> Umspannwerk instandgehalten
> Kontinuierliches Umweltmonitoring aus der Luft und vom Wasser aus
> Servicestation auf Helgoland am 18. November für Besucher geöffnet

48 Windkraftanlagen drehen sich im innogy Offshore-Windpark Nordsee Ost vor Helgoland. Rund 50 Servicetechniker, Ingenieure und nautisches Personal sind auf Deutschlands einziger Hochseeinsel im Einsatz um den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb des Windparks zu gewährleisten. Während des Sommers herrscht im Windpark Hochbetrieb, wenn die jährlichen Wartungskampagnen anstehen.

„Der Sommer ist für uns die arbeitsreichste Zeit des Jahres“, erklärt Tobias Matzke, Production Manager bei innogy SE. „Mit Beginn des Herbst verringern sich die Wetterfenster, in denen eine Wartung möglich ist. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich bereits ab Oktober statistisch gesehen die Zugänglichkeit zu den Windturbinen und unserem Umspannwerk auf See im Vergleich zum Sommer halbiert. Wir sind deshalb froh, dass wir vor den ersten Herbststürmen unseren Teil der Jahreswartung erfolgreich abschließen konnten.“

Die Belastungen, die auf die Anlagen auf See wirken, sind deutlich höher als an Land. Wind, Wellen und Salzwasser erhöhen den standardmäßigen Wartungsaufwand. Im Sinne eines proaktiven Wartungskonzepts wurde der Offshore-Windpark Nordsee Ost diesen Sommer auf Herz und Nieren überprüft.

Rotorblätter erstmals mit einer Drohne inspiziert
Herzstück eines jeden Windparks sind die Windturbinen. Im Windpark Nordsee Ost drehen sich die derzeit größten und leistungsstärksten Anlagen des Herstellers Senvion. Die Dimensionen sind beeindruckend: Die Gondel hat die Abmessungen eines Einfamilienhauses, die Rotoren überstreichen die Fläche zweier Fußballfelder und mit rund 160 Metern Höhe überragt eine solche Windkraftanlage sogar den Kölner Dom.

Beim Betrieb dieser Giganten wirken enorme Kräfte, deshalb hat neben der technischen Verfügbarkeit und der sicheren Zugänglichkeit die Standsicherheit der Anlagen obererste Priorität und wird gemäß den Vorgaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (kurz BSH) regelmäßig überprüft. In diesem Jahr wurden zwölf der insgesamt 48 Windkraftanlagen vom Turm, über die Gondel bis zur Rotorblattspitze genauer unter die Lupe genommen. Dafür wurden zum Beispiel seilunterstützte Blattinspektionen durchgeführt, bei welchen sich Industriekletterer vom Maschinenhaus aus entlang der über 60 Meter langen Rotorblätter abgeseilt haben, um die Rotorblätter von außen auf Schäden hin zu überprüfen. Zudem wurde in diesem Jahr erstmals eine Drohne zur Sichtprüfung eingesetzt. Für Windkraftanlagen an Land oder auch die Wartung von Hochspannungsmasten hat sich die Drohnen-Technologie längst bewährt. innogy nutzt beispielsweise bereits seit 2013 einen sogenannten Hexacopter, um Hochspannungsleitungen, Gebäudedächer und Photovoltaikanlagen zu überprüfen. Unter den rauen Bedingungen auf hoher See müssen die kleinen Flugobjekte allerdings erst noch ihre Vorteile unter Beweis stellen.

Tauchroboter im Einsatz für die Wartung der Fundamente
Jedes Jacket-Fundamente für die Windkraftanlagen ist ca. 50 Meter hoch und wiegt rund 550 Tonnen. Die Fundamente stehen in Wassertiefen von bis zu 25 Metern und sind ähnlich wie ein herkömmlicher Hochspannungsmast aufgebaut: Stahlrohre bilden ein räumliches Fachwerk. An den vier Füßen ist jedes Fundament mit Pfählen im Meeresboden verankert. Auf ihnen lastet das Gewicht der über 700 Tonnen schweren Windturbinen.

Die Stabilität aber auch die sichere Zugänglichkeit der Windturbinen-Fundamente stand deshalb im Fokus der diesjährigen Wartungskampagne, die sowohl über als auch unter Wasser durchgeführt wurde: Bei den Überwasserarbeiten wurden neben der visuellen Inspektionen der Strukturen und der Rostschutzbeschichtung auch Prüfungen der Schweiß- und Bolzenverbindungen durch für Kletter- und Höhenarbeiten ausgebildete Inspektoren durchgeführt. Bei den Unterwasserinspektionen kamen spezielle Tauchroboter zum Einsatz. Der Aufwand für eine solche Unterwasserinspektion beträgt rund ein bis zwei Tage pro Fundament. Insgesamt wurden 50 Fundamente über Wasser inspiziert – alle 48 Windturbinen-Fundamente, das Jacket-Fundament des Offshore Umspannwerks und das Monopile-Fundament des Messmastes. Von den 50 Fundamenten wurden 13 auch unter Wasser in Augenschein genommen.

Inspektion und Instandhaltung des parkinternen Umspannwerks
Das Umspannwerk ist das Nervenzentrum des Windparks und damit wesentliches Element für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb. Im Inneren des parkinternen Umspannwerks wird die von den 48 Windkraftanlagen mit Mittelspannung erzeugte Energie auf eine Hochspannung umgewandelt. Damit dieser Vorgang auch weiterhin reibungslos läuft, wurden diesen Sommer mit Unterstützung der innogy-Tochter Westnetz die für die Stromübertragung zuständigen Primärsysteme, wie Schaltanlagen und Trafos, sowie die Sekundärsysteme, wie die Leit- und Schutztechnik, überprüft. Zudem wurden das Brandmeldesystem und die Brandlöschanlage, die Kräne, die Klima- und Lüftungsanlagen sowie weitere kleinere Nebensysteme gewartet.

Kontinuierliches Umweltmonitoring
Der Betrieb des Offshore-Windparks Nordsee Ost wird durch ein kontinuierliches Umweltmonitoring flankiert. Im Zentrum steht ein betriebsbegleitendes Monitoring von Fischen, marinen Säugetieren, Vögeln (Avifauna) sowie der Gesamtheit aller in der Bodenzone des Gewässers vorkommenden Lebewesen (Benthos).

So werden beispielsweise Zugvögel Tag und Nacht mittels Radar erfasst und ihre Zugrufe mit Hilfe hochempfindlicher Mikrofone aufgezeichnet. Außerdem erfolgt eine visuelle und digitale Erfassung von Vögeln aber auch marinen Säugetieren, wie Schweinswalen, aus der Luft und vom Wasser aus. Dazu sind regelmäßig Schiffe und Flugzeuge im Einsatz – in diesem Jahr schon ganze 16 mal. Mit den erhobenen Daten wird das Vorkommen und die Abschätzung der verschiedenen Bestände im Windpark möglich. Dauerhaft im Windpark Nordsee Ost und in einem festgelegten Referenzgebiet befinden sich zudem fünf C-POD Stationen, welche rund um die Uhr Rufe von Schweinswalen aufzeichnen, wenn sie sich in diesem Gebiet aufhalten. Außerdem wurden an zwei Stellen im Windpark Nordsee Ost Hydroschallmessung durchgeführt. Hintergrund ist, dass ermittelt werden soll ob durch den Betrieb der Windkraftanlagen ein Schalleintrag ins Wasser erfolgt.

Zusätzlich wurde im Rahmen des Untersuchungskonzepts in diesem Jahr ein verstärktes Augenmerk auf die Untersuchung der Fischbestände und der Lebewesen am Meeresgrund gelegt. Dazu wurden mit Hilfe von Netzen (Baumkurre) Fische gefangen, gezählt und ihre Art bestimmt. Zudem wurden an verschiedenen Stellen im Windpark Bodenproben genommen und Taucher haben an zwei Fundamenten Bewuchsproben entnommen. Das Umweltmonitoring im Windpark Nordsee Ost wird gemeinsam mit den beiden benachbarten Offshore-Windparks im Helgoland-Cluster durchgeführt.

Tag der offenen Tür in der Servicestation auf Helgoland

Am Samstag, den 18. November 2017 öffnet innogy die Pforten ihrer Service- und Betriebsstation auf Helgoland. Um 10.30 Uhr und 13.00 Uhr können Interessierte einen Blick hinter die Kulissen werfen und erfahren, wie von Deutschlands einziger Hochseeinsel aus die 48 Windturbinen des Offshore-Windparks Nordsee Ost betrieben und gewartet werden.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und so ist eine vorherige Anmeldung zu den Führungen ein Muss. Interessierte senden einfach eine E-Mail an communications.renewables@innogy.com oder tragen sich im Rathaus Helgoland bei der Helgoland Touristik in die Teilnehmerliste ein.

Der Windpark Nordsee Ost erzeugt ausreichend klimafreundlichen Strom, um rechnerisch rund 320.000 Haushalte zu versorgen. Damit gehört Nordsee Ost zu den größten kommerziellen Windkraftprojekten vor der deutschen Küste.