Essen/Gödenroth,
26
September
2018
|
00:00
Europe/Amsterdam

Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt Energienetz der Zukunft

Ulrike Höfgen, Umweltministerin Rheinland-Pfalz, Hildegard Müller, Vorstand Netz- und Infrastruktur innogy, und Dr. Marlon Bröhr, Landrat Rhein-Hunsrück-Kreis (v. r.), besichtigen die Technik des Batteriespeichers in Gödenroth.

  • innogy setzt wichtigen Meilenstein im Projekt Designetz

  • Energiewabe Rhein-Hunsrück-Kreis testet Energiemanagement zur Integration erneuerbarer Energien in das Verteilnetz

  • Projektpartner nehmen Batteriespeicher in Gödenroth in Betrieb

Im Rhein-Hunsrück-Kreis wird das Energiesystem der Zukunft erprobt. Heute haben Ulrike Höfken, Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Marlon Bröhr, Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, und Hildegard Müller, Vorstand Netz & Infrastruktur der innogy SE, einen neuen Batteriespeicher in Gödenroth (Verbandsgemeinde Kastellaun) in Betrieb genommen. Der Batteriespeicher ist Bestandteil der Energiewabe Rhein-Hunsrück-Kreis. Durch ein automatisiertes Energiemanagement soll das Stromnetz entlastet und Strom aus erneuerbaren Energien möglichst vor Ort genutzt werden. Überschüssiger Strom wird dazu in mehreren Batteriespeichern zwischengepuffert beziehungsweise durch flexible Verbraucher genutzt. Das Projekt ist bis Ende 2020 geplant, die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 6,7 Millionen Euro.

Immer mehr Strom wird in Zukunft aus erneuerbaren Energien gewonnen. Bereits heute gibt es in Deutschland rund 1,7 Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen, die grünen Strom aus Windkraft, Sonnenenergie oder Biogas ins Netz einspeisen – Tendenz weiter stark steigend. Um der dadurch entstehenden schwankenden Einspeisung und dem sich gleichzeitig verändernden Verbrauch gerecht zu werden, bedarf es intelligenter Konzepte. Eine Blaupause für dieses Gesamtenergiesystem der Zukunft erforscht der Energieversorger innogy gemeinsam mit 46 Partnern im Projekt DESIGNETZ. Kerngedanke ist der Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch von Energie bereits auf lokaler Ebene, der einen umfangreichen Netzausbau vermeidet. Ein wichtiger Bestandteil von DESIGNETZ ist die Energiewabe Rhein-Hunsrück-Kreis, die nun um einen weiteren wichtigen Baustein ergänzt wurde.

Ulrike Höfken zeigte sich begeistert von der Technik in Gödenroth: „Im Projekt ‚Energiewabe Rhein-Hunsrück-Kreis‘ erproben Projektpartner von Designetz ein innovatives Energiemanagement. Ganz konkret kommt hier in Gödenroth ein Lithium-Ionen-Speicher zum Einsatz, der überschüssigen Strom durch Zwischenspeicherung abfedern soll – es geht also um eine optimale und nachhaltige Nutzung von Erneuerbarer Energie“, so Höfken und betonte: „Wir brauchen solche langfristigen Lösungen für den Umgang mit einer schwankenden Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Dazu sind bessere bundespolitische Rahmenbedingungen notwendig: Die Verteilnetzbetreiber müssen verstärkt Systemverantwortung übernehmen können, um in einem zunehmend dezentralen Energiesystem den sicheren Netz- und Systembetrieb zu gewährleisten. Rheinland-Pfalz setzt sich deshalb dafür ein, die durch gesetzliche Rahmenbedingungen vorgegebenen Gestaltungsmöglichkeiten im regionalen und lokalen Kontext weiter zu verbessern.“

„Wir sind stolz, Teil dieses wichtigen Projekts zu sein. Wir machen Energiewende aus der Region, für die Region. Mit dem seit vier Jahren erfolgreich im Echtbetrieb laufenden Smart-Operator in Kisselbach hat innogy den Grundstein für die Energiewabe Rhein-Hunsrück gelegt. Ich freue mich, dass es gelungen ist, eine Investition in Höhe mehrerer Millionen Euro für die systematische Weiterentwicklung dieses Ansatzes in den Kreis zu lenken“, betont Landrat Dr. Bröhr.

„Unser Ziel ist es, mit DESIGNETZ die Blaupause für die Energiewende zu entwickeln. Wir wollen einen Rahmen schaffen, der die erneuerbaren Energien optimal in das Energiesystem integriert und gleichzeitig den Netzausbau vermeidet. Mit DESIGNETZ denken wir die Energiewende zu Ende und schaffen die Voraussetzungen für die klimafreundliche und kosteneffiziente Energieversorgung von morgen. Wir bringen die vielfältigen Elemente eines zukünftigen Energiesystems zusammen“, sagt Hildegard Müller, Vorstand Netz & Infrastruktur bei innogy.

Einen wichtigen Baustein zum Gesamterfolg von DESIGNETZ leistet auch der Rhein-Hunsrück-Kreis. Er ist als einziger Landkreis assoziierter Partner des Projekts. Dabei wird Know-How aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis eingebracht, um gemeinsam Ideen zur weiteren Umsetzung der Energiewende zu realisieren.

Ziel der Energiewabe ist ein mehrstufig aufgebautes Energiemanagementsystem vom Haushalt bis zum Umspannwerk zur optimierten Nutzung von erneuerbarem Überschussstrom sowie der besseren Integration von erneuerbarer Energie in das Verteilnetz. Durch das Energiemanagement soll das Stromnetz im Bereich Simmern entlastet und Strom aus erneuerbaren Energien möglichst vor Ort genutzt werden. Der neue Lithium-Ionen-Speicher in Gödenroth verfügt über eine Leistung von 2,5 MVA und eine Kapazität von 4 MWh. Weitere Projektbestandteile sind der Smart Operator in Kisselbach, ein Batteriespeicher beim kreiseigenen Abfallwirtschaftbetrieb Rhein-Hunsrück Entsorgung in Kirchberg, mehrere Elektrospeicherheizung im Raum Simmern und mehrere kleinere Batteriespeicher, die direkt in Haushalten zu Einsatz kommen. Die Energiewabe Rhein-Hunsrück-Kreis soll in 2019 komplett fertig gestellt werden.

DESIGNETZ erstreckt sich über die drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Hier leben nicht nur rund 23 Millionen Menschen; die Länder bilden „im Kleinen“ auch alle wesentlichen energiewirtschaftlichen Herausforderungen ab, die es im Rahmen der Energiewende vorzudenken gilt: Von der Versorgung stark industrialisierter und dicht besiedelter Bereiche im Ruhrgebiet, über ländliche Regionen mit heute schon hoher Erneuerbaren-Einspeisung wie die Eifel bis hin zum Saarland, wo sich Energiebedarf und -erzeugung regional gut ausgleichen lassen. Es ist damit das umfassendste Energiewendeprojekt überhaupt.

Das gesamte Projektvolumen beläuft sich auf 66 Millionen Euro, 30 Mio. Euro Fördergelder steuert das BMWi im Rahmen seines Förderprogramms SINTEG bei. Im Zentrum der insgesamt fünf SINTEG-Förderprojekte stehen die intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch sowie der Einsatz innovativer Netztechnologien und -betriebskonzepte.

Weitere Informationen unter http://www.designetz.de/.