Essen,
27
April
2018
|
07:37
Europe/Amsterdam

Neue Smartphone-App „Barrier Tracker“ von AMBER :

Mit neuer App helfen Bürger den Datenbestand über Barrieren in Flüssen zu verbessern

Zusammenfassung

> Erstellung eines Querbauwerksatlas für Europa
> Validierung verfügbarer Daten auf einer Gesamtstrecke von 1.000 Flusskilometern
> App seit 21. April kostenlos verfügbar
> Einbindung der Bevölkerung ist wichtiger Schritt für die Erhaltung und Förderung der Ökologie der Flussnetze in Europa

Einer neuen Studie zufolge ist die Dichte von Barrieren und Hindernissen (so genannte „Querbauwerke“) in europäischen Flüssen und Bächen mit bis zu einer Barriere pro Flusskilometer viel höher als aus entsprechenden Datenbanken ersichtlich. Oftmals fehlen Informationen über Ort und Dichte kleinerer Barrieren, aber gerade diese kleineren Hindernisse stellen für die Ökologie von Europas Flüssen das größte Problem dar. Nun steht erstmals eine neu entwickelte Smartphone-App zur Verfügung, mit der Wissenschaftler der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, einen Beitrag zur Ergänzung und Aktualisierung dieser Informationen zu leisten.

Hunderttausende künstlicher Barrieren finden sich weit verstreut in Europas Flüssen. DieseBarrieren (z. B. Stauwehre) bieten vor allem Möglichkeiten zur Trinkwassergewinnung, Schifffahrt, Energieerzeugung und Wassergewinnung sowie zum Fischen und für Freizeitaktivitäten. Barrieren verändern allerdings die Ökosysteme in Flüssen nachhaltig, z. B. indem sie die natürlichen Wanderwege der Fische behindern. Der Lebenszyklus von Aalen, Lachsen und vielen anderen Arten hängt von der Durchgängigkeit der Wasserwege zwischen dem offenen Meer und ihren flussaufwärts gelegenen Lebensräumen ab.

Erstellung eines Querbauwerksatlas für Europa

Eine europäische Initiative von Wissenschaftlern, Behörden, der Wasserkraftindustrie und gemeinnützigen Organisationen namens AMBER sucht nach neuen Lösungen für die Durchgängigkeit von vernetzten Flüssen. Unter anderem haben Wissenschaftler im Rahmen des Projekts sämtliche verfügbaren Daten über Flussbarrieren aus ganz Europa gesammelt und auf einer Gesamtstrecke von 1.000 km entlang von Flussläufen validiert.

Ausgehend von ersten Beobachtungen schätzen die Forscher von AMBER, dass pro Flusskilometer eine Barriere vorhanden ist und dass das Bild der Flusszerstückelung in Europa in den verfügbaren Datenbeständen wahrscheinlich noch immer unvollständig und damit als Informationsbasis für eine umfassende Flussbewirtschaftung nicht ausreichend ist. Einer der Hauptgründe für die Diskrepanz zwischen dem vorhandenen Datenbestand und den durch AMBER entlang realer Flüsse erhobenen Daten besteht darin, dass aktuelle Datenbanken in einigen Ländern oder Regionen Europas (nicht jedoch in Deutschland) in erster Linie Barrieren dokumentieren, die höher als 10 Meter sind. Vor Ort stellten die Forscher jedoch fest, dass viele Flussbarrieren deutlich kleiner sind. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass diese kleineren Barrieren für die durchgängige Vernetzung von Flüssen ein viel größeres Problem darstellen, insbesondere da sie in solch einer hohen Dichte auftreten.

Durch die Einführung einer neuen App schafft AMBER die Möglichkeit, dass die Bevölkerung zur Verbesserung der Situation beiträgt. Es gibt bereits viele gute Lösungsbeispiele, und viele Menschen haben bereits aktiv entlang örtlicher Flussläufe ihren positiven Beitrag geleistet.

Nun wird erstmals die Bevölkerung aufgerufen, bei der Erforschung und Verbesserung der Durchgängigkeit der Europäischen Flusssysteme zu helfen. Dazu soll eine Smartphone-App namens „Barrier-Tracker“ dienen, die über Google Play oder Play Store kostenlos erhältlich ist. Anhand der App lässt sich der Bestand an Barrieren, denen man entlang der örtlichen Gewässer begegnet, dokumentieren oder aktualisieren. Die Informationen können auch auf eine Website hochgeladen werden. Die Einbindung von Bürgern bei der Dokumentierung kleiner Flussbarrieren ist ein wichtiger Schritt für die Erhaltung und Förderung der Ökologie der Flussnetze auf dem gesamten europäischen Kontinent.

Der Start der Barrier-Tracker-App erfolgte am 21. April 2018. Er fiel mit dem Welt-Fischmigrationstag zusammen, einer eintägigen weltweit stattfindenden lokalen Veranstaltung, um Bewusstsein für die Bedeutung offener Flussläufe und wandernder Fischbestände zu schaffen. In Deutschland informieren innogy SE und IB Kauppert, die deutschen Partner im AMBER-Konsortium, die Stakeholder auf Seiten von Behörden und Verbänden über die Funktionen der neuen App.

Die AMBER-Smartphone-App ist nun im Google Play Store & App Store für iOS & Android erhältlich (Suche nach “Barrier tracker” im Store) oder kann direkt herunter geladen werden für iOS und Android.

Zum Hintergrund:
Die Datenerhebung war Teil des EU-finanzierten “H2020 AMBER-Projekts” (https://amber.international/).
AMBER soll Bewusstsein schaffen für die Probleme der Zerstückelung von Flussläufen, den Druck auf Süßwasser-Ökosysteme und die Notwendigkeit innovativer Lösungen zur Wiederherstellung vernetzter Flussläufe. Das Projekt bindet Wasserkrafterzeuger, Wasserversorger, NGOs, Angler und Gebietskörperschaften mit ein, um die Vernetzung von Flussläufen wiederherzustellen und den Nutzen von Wasserentnahmen bei gleichzeitiger Reduzierung der Umweltauswirkungen zu maximieren.