Essen,
10
Mai
2018
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14:56
Europe/Amsterdam

innogy SE legt Begründete Stellungnahme vor

  • Vorstand und Aufsichtsrat geben keine Empfehlung an innogy-Aktionäre ab

  • Die von E.ON angebotene Gegenleistung halten Vorstand und Aufsichtsrat der absoluten Höhe nach für angemessen – eine abschließende Beurteilung der relativen Höhe des Angebots ist aber aufgrund von nicht-öffentlichen Vereinbarungen zwischen E.ON und RWE nicht möglich

  • Zudem einseitige Nachteile für innogy-Mitarbeiter befürchtet: Abschluss einer ausgewogenen Rahmenvereinbarung mit verbindlichen und verlässlichen Zusagen weiterhin unsicher

  • Lange Vollzugsdauer der Gesamttransaktion birgt erhebliche Risiken

Essen, 10. Mai 2018

Vorstand und Aufsichtsrat der innogy SE („innogy“) haben heute ihre gemeinsame Begründete Stellungnahme gemäß § 27 Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) zum freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot der E.ON Verwaltungs SE („E.ON“) vom 27. April 2018 veröffentlicht. Nach eingehender Prüfung der Angebotsunterlage geben Vorstand und Aufsichtsrat keine Empfehlung an die innogy- Aktionäre ab.

„Aufgrund von nicht-öffentlichen Vereinbarungen zwischen E.ON und RWE können wir nicht beurteilen, ob der Angebotspreis insgesamt angemessen ist“, sagt Uwe Tigges, Vorstandsvorsitzender der innogy SE. „Unabhängig von der Höhe des Angebotspreises haben wir die große Sorge, dass der von E.ON geplante Stellenabbau einseitig zu Lasten der Mitarbeiter von innogy erfolgen wird. In die Gespräche mit E.ON ist zwar gerade in den vergangenen Tagen etwas Bewegung gekommen. Den Verhandlungserfolg messen wir jedoch allein daran, dass den innogy-Mitarbeitern verbindliche und verlässliche Zusagen für einen fairen Integrationsprozess gemacht werden.“

„Wir sind der festen Überzeugung, dass eine Zusammenführung von innogy und E.ON nur dann für alle Beteiligten erfolgreich sein wird, wenn alle Verantwortlichen das Vorhaben als gemeinsames Projekt betrachten und fair miteinander umgehen“, sagt Erhard Schipporeit, Vorsitzender des Aufsichtsrats der innogy SE. „Die Kernregion Rhein und Ruhr wird langfristig davon profitieren, wenn der anstehende Integrationsprozess zwischen E.ON, RWE und innogy so reibungslos und geordnet wie möglich über die Bühne geht.“

Gegenleistung angemessen, aber abschließende Beurteilung des Angebots nicht möglich

Die Vereinbarung zwischen E.ON und RWE vom 12. März sieht vor, dass beide Unternehmen im Falle einer erfolgreichen Durchführung der Transaktion einen weitreichenden Tausch von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen anstreben. So soll E.ON den 76,79-prozentigen Anteil von RWE an innogy übernehmen. RWE dagegen soll unter anderem alle wesentlichen erneuerbaren Energieaktivitäten von E.ON und das erneuerbare Energiegeschäft von innogy sowie eine Minderheitsbeteiligung von 16,67 Prozent an E.ON erhalten.

Auf Basis der vorliegenden Informationen und unter Berücksichtigung der Beurteilungen der involvierten Investmentbanken („Fairness Opinions“) halten Vorstand und Aufsichtsrat den von E.ON gebotenen absoluten Preis je innogy-Aktie für angemessen. Werden jedoch die weitreichenden Tauschgeschäfte zwischen E.ON und RWE in die Überlegungen einbezogen, können Vorstand und Aufsichtsrat die Angemessenheit des Angebots für die Minderheitsaktionäre nicht abschließend beurteilen. Denn aufgrund der nicht-öffentlichen Vereinbarungen ist es objektiv nicht nachvollziehbar, ob die zwischen E.ON und RWE vereinbarte Gegenleistung für den Erwerb von 76,79 Prozent der innogy-Aktien dem Angebotspreis entspricht oder höher oder niedriger ist.

Verbindliche Zusagen von E.ON zur Integration von innogy stehen weiter aus

Vorstand und Aufsichtsrat befürchten, dass die Mitarbeiter von innogy gegenüber den Beschäftigten der E.ON-Gruppe im Zuge einer Integration strukturell benachteiligt werden könnten. Unter diesen Umständen können Vorstand und Aufsichtsrat die Transaktion aus Sicht der innogy-Mitarbeiter ohne zusätzliche Absicherung für die Mitarbeiter nicht befürworten.

In der gemeinsamen Stellungnahme wird begrüßt, dass E.ON wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter von innogy schaffen, die Rechte der Arbeitnehmer respektieren und konstruktiv mit innogy zusammenarbeiten will. Auf Initiative von innogy gab es mehrere Gespräche mit E.ON und RWE, um eine ausgewogene Rahmenvereinbarung mit verlässlichen Zusagen für den Integrationsprozess abzuschließen. Diese Gespräche sind auch in den vergangenen Tagen weitergeführt worden, allerdings gibt es bisher keine rechtsverbindliche Einigung.

innogy und E.ON sind zwei Unternehmen, die gemessen an Börsenwert, Umsatz und Mitarbeiterzahl in etwa gleich groß sind. Daher sollte im Zuge einer solchen Vereinbarung aus Sicht von innogy gewährleistet sein, dass die Stärken beider Unternehmen honoriert werden und bei Doppelbesetzungen der jeweils geeignete Mitarbeiter zum Zuge kommt. Zudem sollte die Rahmenvereinbarung von einem unabhängigen Dritten überwacht werden.

Solange es keine rechtsverbindliche Rahmenvereinbarung mit E.ON gibt, sehen Vorstand und Aufsichtsrat die große Gefahr, dass qualifizierte Mitarbeiter von innogy das Unternehmen verlassen könnten, zumal E.ON betriebsbedingte Kündigungen bisher nicht ausgeschlossen hat. Vorstand und Aufsichtsrat treten dafür ein, dass jedweder Arbeitsplatzabbau sozialverträglich und unter Einbindung der Betriebsräte und Gewerkschaften erfolgt.

Lange Vollzugsdauer verunsichert Mitarbeiter und Kunden

Zu einem möglichen Abschluss der Transaktion kommt es nach den Plänen von E.ON und RWE erst gegen Ende 2019. Dieser lange Zeitraum stellt ein erhebliches Risiko dar. E.ON nimmt damit in Kauf, dass die Belegschaft von innogy mit Unsicherheit konfrontiert ist und qualifizierte Mitarbeiter bis zum Vollzug der Transaktion das Unternehmen verlassen.

Obwohl innogy in vielen Bereichen gegenüber E.ON Wettbewerbsvorteile hat, lässt E.ON bisher offen, ob diese Vorteile im Integrationsprozess berücksichtigt werden. Im Falle einer Nichtberücksichtigung würden wirtschaftliche Ineffizienzen, Nachteile für Kunden und negative Folgen für Aktionäre in Kauf genommen.

Auch ist E.ON bisher nicht bereit, sich auf den Erhalt von innogy als Vertriebs- und Partnermarke festzulegen, obwohl der Marke von unabhängigen Instituten ein nachhaltigeres, innovativeres und kundenorientierteres Image und ein höherer Markenwert als der Marke E.ON bescheinigt wird.

Die vollständige Begründete Stellungnahme des Vorstands und Aufsichtsrats von innogy sowie weitere Informationen zum freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot sind auf der Unternehmenswebsite einzusehen: www.innogy.com/begruendete-stellungnahme

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass allein die Begründete Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat maßgeblich ist. Die Informationen in dieser Pressemitteilung stellen keine Erläuterungen oder Ergänzungen zu den Aussagen in der Stellungnahme dar.