Niederzier,
19
Juli
2017
|
00:00
Europe/Amsterdam

In Niederzier fließt der Strom über die Solarautobahn

Enthüllten die Solarautobahn (v. l.): Hans-Joachim Dunkel, Geschäftsführer der Energiepartner Niederzier, Hermann Heuser, Bürgermeister der Gemeinde Niederzier, Hildegard Müller, Vorstand für Netz & Infrastruktur bei innogy, Erwin Winkel, Vorstandsmitglied RWE Power.

  • RWE Power, innogy, Westnetz, Gemeinde Niederzier und Energiepartner Niederzier nutzen in Gemeinschaftsprojekt Trasse der früheren A4
  • 2820 Module auf einer Strecke von 620 Metern liefern Strom für 210 Haushalte

Noch vor wenigen Jahren rauschten dort täglich 63.000 Autos und Lkw vorbei. Heute fließt an der Stelle ein ganz besonderer Verkehr: Elektronen, 2000 Kilowattstunden pro Tag. Auf dem Asphalt der früheren A4 bei Niederzier im Kreis Düren stehen jetzt 2820 Solarmodule und liefern über eine Strecke von 620 Metern für 210 Haushalte CO2-freie Energie. Die Energieunternehmen RWE Power und innogy, Verteilnetzbetreiber Westnetz, die Gemeinde Niederzier sowie die Energiepartner Niederzier haben die 749 kWp-Anlage gemeinsam geplant, umgesetzt und in Betrieb genommen. Jährlich spart die Solarautobahn 400 Tonnen CO2 ein.

Die PV-Anlage in Höhe des Niederzierer Ortsteils Ellen ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Sie befindet sich im Abbaugebiet des Tagebaus Hambach, für den die damalige A4 einst verlegt werden musste. Hausherr ist somit RWE Power. Mit der Umsetzung des Projekts waren innogy Netzservice und Westnetz beauftragt. Allein die Montage, an der auch Westnetz-Auszubildende aus Niederzier beteiligt waren, hat rund 4.000 Arbeitsstunden gedauert. Und Betreiber der PV-Anlage ist die Energiepartner Niederzier GmbH, an der die Gemeinde Niederzier 51 Prozent und innogy 49 Prozent der Anteile halten.

Hermann Heuser, Bürgermeister der Gemeinde Niederzier, hebt hervor: „Ein Teilstück der ehemaligen A4 für die Produktion von umweltfreundlichem Solarstrom zu nutzen, ist eine kreative Idee. Sie unterstreicht an dieser Stelle in unmittelbarer Nähe des Tagebaues Hambach das notwendige Miteinander von Braunkohlestrom einerseits und der regenerativen Stromerzeugung andererseits.“

„innogy fühlt sich mit der Gemeinde Niederzier traditionell eng und partnerschaftlich verbunden. Wir freuen uns daher, gemeinsam die Solarautobahn zu betreiben und zu einem nachhaltigen Erfolg zu führen. Gleichzeitig zeigen wir, wie sich zwei Energieunternehmen und eine Gemeindeverwaltung perfekt vernetzen können, um ein außergewöhnliches Projekt auf die Beine zu stellen. Die Solarautobahn ist eine Schnellstraße in die Zukunft der Energieversorgung“, betont Hildegard Müller, Vorstand für Netz & Infrastruktur bei innogy.

„Unsere Solarautobahn ist ein Musterbeispiel für gelingenden Strukturwandel und den Geist von Partnerschaft und Innovation“, meinte RWE Power-Vorstandsmitglied Erwin Winkel. „Hier wird deutlich, worauf es grundsätzlich in der Energieversorgung ankommt: die Stärken der verschiedenen Energieträger zu nutzen. Dazu braucht es kein Gegeneinander, sondern jeder Partner ergänzt den anderen.“

Das Investitionsvolumen für die Solarautobahn liegt bei 710.000 Euro, als Darlehen der Gemeinde Niederzier. Die Energiepartner Niederzier wollen eine jährliche Rendite von mindestens 3 Prozent nach Steuern erzielen, wobei sich die Erlöse aus der Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und einer Prämie aus der Direktvermarktung des Stroms zusammensetzen.

Zum technischen und ökologischen Hintergrund: Für die 2820 Module mit jeweils 265 W Peak und 16 dezentralen Wechselrichter wurden 282 Betonplatten, 5800 Stahlprofile, 1128 ehemalige Bahnschwellen und 10 Kilometer Kabel verbaut. Die Solaranlage ruht auf 500 Tonnen Kies, der aus dem Tagebau stammt, und ist von 1200 Metern Zaun umgeben, der 20 cm Bodenfreiheit für Kleinsäuger lässt.