Essen,
13
März
2019
|
07:00
Europe/Amsterdam

innogy: Britisches Vertriebsgeschäft und geringes Windaufkommen belasten Konzernergebnis 2018

  • Bereinigtes EBIT bei rund 2,6 Milliarden Euro und bereinigtes Nettoergebnis bei über 1,0 Milliarden Euro
  • Vorstand und Aufsichtsrat der innogy SE schlagen Dividende von 1,40 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2018 vor
  • Wachstumsstrategie und Sicherung des Bestandsgeschäfts auch 2019 im Fokus

Die innogy SE blickt auf ein bewegtes Geschäftsjahr 2018: Im März wurde die geplante Übernahme durch E.ON/RWE angekündigt, deren Vorbereitung mittlerweile innerhalb des kartellrechtlichen Rahmens gemeinsam durchgeführt wird. Im Unternehmensbereich Erneuerbare Energien hat innogy die Wachstumsstrategie erfolgreich umgesetzt und die Aktivitäten um neue Märkte und Projekte erweitert. Die positiven Entwicklungen wurden jedoch durch das außergewöhnlich geringe Windaufkommen in weiten Teilen Europas überlagert, was sich negativ auf das Ergebnis auswirkt. Das Netzgeschäft zeigte eine positive Ergebnisentwicklung, auch bedingt durch Einmaleffekte aus Bewertungssachverhalten. Im Vertrieb wurden die Verhandlungen über die Zusammenlegung des britischen Vertriebsgeschäfts npower mit den Vertriebsaktivitäten von SSE plc. zum Jahresende ohne Ergebnis beendet. Aus diesem Grund musste innogy das britische Vertriebsgeschäft mit seinem negativen Ergebnisbeitrag wieder in das bereinigte Konzernergebnis einbeziehen. Dies machte eine Anpassung der ursprünglichen Prognose für 2018 erforderlich, obwohl die Entwicklung auf Konzernebene bis dahin insgesamt erwartungsgemäß verlaufen war.

Das Geschäftsjahr 2018 hat innogy entsprechend der im Dezember 2018 angepassten Prognose abgeschlossen: Das bereinigte EBIT erreichte 2.630 Millionen Euro und ging gegenüber dem Vorjahr um rund 7 Prozent zurück. Das bereinigte Nettoergebnis sank auf 1.026 Millionen Euro. Auf dieser Basis werden Vorstand und Aufsichtsrat der innogy SE der Hauptversammlung am 30. April 2019 die Zahlung einer Dividende von 1,40 Euro je Aktie vorschlagen. Damit liegt die Ausschüttungsquote etwa in der Mitte der festgelegten Bandbreite von 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses.Details der Geschäftsentwicklung entnehmen Sie bitte dem Geschäftsbericht 2018, abrufbar unter www.innogy.com/geschaeftsbericht-2018.

Uwe Tigges, Vorstandsvorsitzender der innogy SE: „2018 war für innogy ein sehr turbulentes Jahr. Die von E.ON und RWE angekündigte Transaktion hat uns im Frühjahr überrascht und war für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles andere als eine gute Nachricht. Es ist uns gelungen, mit E.ON und RWE Vereinbarungen zur Integration unserer Geschäftsaktivitäten in die beiden Konzerne zu schließen, die die Interessen unserer Mitarbeiter, Aktionäre, Kunden und anderer Stakeholder berücksichtigen. Selbstverständlich liegt unser Hauptaugenmerk aber auf der Weiterentwicklung unseres operativen Geschäfts: Wir treiben unsere Strategie weiter konsequent voran und stärken unsere Position in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Marktumfeld. Ich bin hier sehr zuversichtlich. Denn unsere Mitarbeiter machen einen hervorragenden Job, trotz der Verunsicherung und der Mehrbelastung durch die geplante Transaktion von E.ON und RWE.“

Bernhard Günther, Finanzvorstand der innogy SE: „Unsere wichtigste Ertragssäule ist und bleibt das Netzgeschäft. Hier konnten wir unser Ergebnisniveau halten und – etwa mit Breitbandinvestitionen – in Wachstum investieren. Für die Erneuerbaren war es kein gutes Windjahr, aber wir haben die Grundlage für weiteres Wachstum gelegt. Wir waren erfolgreich, insbesondere bei Auktionen. Zudem ist uns der Einstieg in den australischen Solarmarkt gelungen. Mit dem Verkauf von Anteilen am Offshore-Windpark Triton Knoll an zwei japanische Unternehmen haben wir Partner gefunden, mit denen wir dieses attraktive Großprojekt gemeinsam realisieren. Das Ziel, unser britisches Vertriebsgeschäft mit dem von SSE zusammenzulegen, haben wir leider nicht erreicht, und das wird unser Ergebnis auch in 2019 negativ beeinflussen. Insgesamt stehen wir im europäischen Strom- und Gasvertrieb vor Herausforderungen. Durch neue Kooperationen und den Ausbau unseres Online-Geschäfts konnten wir jedoch unsere Wettbewerbsposition sichern.“

 

Fokussierte Wachstums- und Investitionsstrategie

innogy treibt ihre fokussierte Wachstums- und Investitionsstrategie in den drei Unternehmensbereichen sowie den zusätzlichen Wachstumsfeldern voran. Im Unternehmensbereich Erneuerbare Energien betreibt innogy Erzeugungsanlagen mit einer installierten Gesamtkapazität von rund 3,6 Gigawatt (GW). Hinzu kommen Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien in Höhe von 0,4 GW, die den anderen beiden Unternehmensbereichen zugerechnet werden. Damit betreibt innogy insgesamt Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 4,0 GW. Im Geschäftsjahr 2018 hat das Unternehmen sein Portfolio an Windkraft- und Solaranlagen um eine Gesamtkapazität von rund 200 Megawatt (MW), entsprechend dem Anteil von innogy, erweitert. Für das Projekt Triton Knoll (860 MW, innogy-Anteil 59%) hat innogy 2018 die Projektfinanzierung gesichert und im Einklang mit der Unternehmensstrategie, große Projekte im Bereich Erneuerbare Energien gemeinsam mit Partnern umzusetzen, 41 Prozent des Windparks an zwei japanische Energieversorger veräußert.

Zudem wurden Großprojekte wie der Solarpark Limondale in Australien (349 MW, innogy-Anteil 100%) und der Onshore-Windpark Scioto Ridge in den USA (242 MW, innogy-Anteil 100%) auf den Weg gebracht. Zum weiteren Ausbau der Erzeugungskapazitäten hat innogy eine Pipeline von Wind- und Solarprojekten mit einer Gesamtkapazität von aktuell rund 7,1 GW aufgebaut. Erfolgreich war innogy auch bei Auktionen: So erhielt das Unternehmen unter anderem den Zuschlag für einen Einspeisetarif nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und die Netzanbindung für das deutsche Offshore-Windprojekt Kaskasi (325 MW, innogy-Anteil 100%).

Mit einer Netzlänge von 574.000 Kilometern ist innogy einer der großen Verteilnetzbetreiber in Europa. In Deutschland betreibt das Unternehmen mit 350.000 Kilometern das leistungsstärkste Stromnetz. Von den rund 1,7 Millionen Erneuerbare-Energien-Anlagen in Deutschland sind etwa 20 Prozent an das Stromnetz von innogy angeschlossen. Unter der Führung von innogy wird im Projekt DESIGNETZ ein Gesamtkonzept zur Integration der erneuerbaren Energien in das Versorgungsnetz erarbeitet. Das auf eine Laufzeit von vier Jahren angelegte Projekt feierte Anfang 2019 Halbzeitbilanz. Zudem treibt innogy den glasfaserbasierten Breitbandausbau weiter voran. Schwerpunktregionen sind der ländliche Raum in Deutschland sowie verschiedene Regionen in Tschechien. Im Geschäftsjahr 2018 war innogy darüber hinaus im Konzessionsgeschäft erfolgreich und konnte Konzessionen für rund 730.000 Einwohner sichern. Insgesamt versorgt innogy über ihre Verteilnetze deutschlandweit mehr als 14 Millionen Einwohner zuverlässig mit Strom und Gas.

Mit rund 22 Millionen Strom- und Gaskunden ist innogy eines der führenden Vertriebsunternehmen Europas und belegt in Deutschland mit 7,9 Millionen Kunden den Spitzenplatz. In einem harten Wettbewerbsumfeld hat innogy die Kundenbasis mit Ausnahme von Großbritannien im Geschäftsjahr 2018 stabilisiert. In Deutschland ist es gelungen, nach Kundenverlusten zu Beginn des Jahres im zweiten Halbjahr rund 50.000 Kunden hinzu zu gewinnen.

Das Geschäftsfeld eMobility ist im vergangenen Geschäftsjahr international stark gewachsen. Mit den Übernahmen des führenden Anbieters von Schnellladetechnologie BTC Power sowie Recargo, einem führenden Softwareunternehmen für Elektromobilität in den USA und Anbieter der App Plugshare, hat innogy ihre Präsenz in den USA ausgeweitet. innogy ist bereits heute einer der führenden Technologieanbieter für Ladeinfrastruktur und hat weltweit insgesamt rund 25.500 Ladepunkte bei Kunden installiert: mehr als 23.500 Ladepunkte in Europa und 1.900 Ladepunkte in den USA, für die innogy den technischen Support übernommen hat. Gemeinsam mit 170 Stadtwerkepartnern hat innogy einen der größten Ladeverbunde Deutschlands aufgebaut. Anfang des Jahres 2019 hat innogy die eMobility-Aktivitäten in der eigenen Gesellschaft innogy eMobility Solutions GmbH gebündelt, um der zunehmenden Bedeutung der Elektromobilität Rechnung zu tragen.

Ausblick für 2019

Für das Geschäftsjahr 2019 erwartet innogy ein bereinigtes EBIT von rund 2,3 Milliarden Euro und damit deutlich unterhalb des Vorjahresniveaus. Wesentliche Gründe für den Rückgang sind die Veräußerung des tschechischen Gasnetzgeschäfts an RWE im Februar 2019, das damit für den Rest des Jahres nicht mehr zum Ergebnis beiträgt, sowie die Einführung der Preisobergrenze für Standardtarife und höhere regulatorische Kosten im britischen Vertriebsgeschäft.Auch im Vertriebsgeschäft außerhalb von Großbritannien geht innogy aufgrund der anhaltend intensiven Wettbewerbssituation und des Anstiegs der Großhandelspreise für Strom und Gas von einem niedrigeren Ergebnis aus. Für den Unternehmensbereich Erneuerbare Energien erwartet innogy dagegen einen deutlichen Ergebnisanstieg: Ein wesentlicher Grund ist der fortlaufende Ausbau der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten. Der Prognose liegen „normalisierte“ Witterungsverhältnisse zugrunde. Für den Bereich Netz & Infrastruktur geht innogy aufgrund der Veräußerung des tschechischen Gasnetzgeschäfts von einem deutlichen Ergebnisrückgang im Vorjahresvergleich aus. Für das bereinigte Finanzergebnis wird eine leichte Verbesserung aufgrund günstigerer Finanzierungskonditionen erwartet.

Der Ausblick für das bereinigte Nettoergebnis liegt, analog zur Entwicklung des bereinigten EBIT, mit rund 850 Millionen Euro ebenfalls deutlich unter dem Wert des Vorjahres. Für die Dividende strebt innogy weiterhin eine Ausschüttungsquote von 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses an.

 

Investitionen über Vorjahr

Im Geschäftsjahr 2018 investierte innogy 2.688 Millionen Euro und damit 550 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Schwerpunkte der Investitionstätigkeit von innogy sind weiterhin der Ausbau und die Modernisierung der Netzinfrastruktur. Im Vordergrund stehen neben der Substanzerhaltung der Anschluss dezentraler Erzeugungsanlagen sowie der Netzausbau im Zusammenhang mit der Energiewende. Zusätzliche Mittel sind in den Ausbau der Breitbandaktivitäten geflossen. Im Unternehmensbereich Erneuerbare Energien ist der Anstieg der Investitionen insbesondere auf die Errichtung des Offshore-Windprojekts Triton Knoll in Großbritannien sowie auf Onshore-Windprojekte in Großbritannien und den USA zurückzuführen. Auch im Vertriebsbereich waren höhere Investitionen zu verzeichnen. Bei eMobility resultiert die erhebliche Steigerung der Investitionen im Vergleich zum Vorjahr aus den Akquisitionen von BTCPower und Recargo in den USA sowie aus höheren Entwicklungsausgaben.

Nettoschulden mit 17 Milliarden Euro über Vorjahr

Die Nettoschulden von innogy beliefen sich am 31. Dezember 2018 auf 17 Milliarden Euro und lagen somit 1,3 Milliarden Euro über denen zum Bilanzstichtag 2017. Die Nettofinanzschulden erhöhten sich im Berichtszeitraum um ca. 0,8 Milliarden Euro auf 13,1 Milliarden Euro, da insbesondere Investitionen und Dividendenzahlungen höher ausfielen als der operative Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit. Die Pensionsrückstellungen erhöhten sich von ca. 3,0 Milliarden Euro auf etwa 3,5 Milliarden (inklusive aktivisch ausgewiesenes Nettovermögen). Hierbei spielte eine negative Entwicklung im Planvermögen sowie die Senkung des Diskontierungssatzes in Deutschland von 2,0 Prozent auf 1,8 Prozent eine Rolle, wohingegen die Erhöhung des Diskontierungssatzes in Großbritannien von 2,4 Prozent auf 2,8 Prozent gegenläufig wirkte.

Anzahl der Mitarbeiter gestiegen

Zum 31. Dezember 2018 beschäftige innogy konzernweit 42.904 Mitarbeiter. Bei der Ermittlung dieser Zahl wurden Teilzeitstellen anteilig berücksichtigt. Im vergangenen Jahr stieg die Mitarbeiterzahl per saldo um 511 Beschäftigte. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf den Ausbau von Solar- und Windprojekten, insbesondere in den USA, den Ausbau der eMobility-Aktivitäten in Wachstumsregionen wie den USA sowie auf die Vollkonsolidierung einer neuen Netzkooperation zurückzuführen. Gegenläufig wirkten sich unter anderem Restrukturierungsmaßnahmen im Vertriebsgeschäft aus.

 

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